Eske Bockelmann Gedanken und Theorien

Dein Selbstwert als moderner Aktienkurs

Jurg Conzett

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Geld ist nicht nur ein Tauschmittel, es ist ein Filter, durch den wir die Welt lesen. Wir starten mit einem einfachen Bild: Ein moderner 100-Euro-Schein auf einem mittelalterlichen Markt wäre nur buntes Papier. Genau an dieser Irritation zeigen wir, wie jung unser heutiges Verständnis von Wert wirklich ist und warum es sich trotzdem so „natürlich“ anfühlt.

Wir gehen zurück ins 17. Jahrhundert und schauen auf den Moment, in dem Finanzwesen zur Abstraktion wird: Papier statt Gold, Anteilsscheine und Wechsel statt greifbarer Münzen, Institutionen wie die Niederländische Ostindienkompanie und die Amsterdamer Wechselbank als Motoren dieses Umbruchs. Sobald Wert als Zahl im Kassenbuch existiert, braucht es Vertrauen in ein System, nicht mehr den Biss ins Metall. Diese Logik der Messbarkeit schwappt weiter, bis sie unser Weltbild und unsere Sprache prägt.

Dann wird es persönlich: Wir reden darüber, warum Selbstwert heute oft wie ein Kurs schwankt, getrieben von Leistung, Kritik, Likes oder Gehalt. Und wir zeigen, wie der Merkantilismus als Nullsummenspiel eine alte Mechanik in unseren Alltag schreibt, sodass sich Erfolg schnell wie Konkurrenz anfühlt, selbst dort, wo Kooperation sinnvoll wäre. Am Ende nehmen wir uns die Freiheit, das „Betriebssystem“ zu hinterfragen und Zukunft zu denken: Was, wenn Wert irgendwann über Zeit, Fürsorge oder Empathie definiert wird?

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